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Mi

12

Mai

2010

Portrait Ben Wettervogel von Patricia Wolf

Jacke - ja oder nein? 

Ben Wettervogel, Wetter ohne Höhenflüge

  

Als Markenartikel  Ben Wettervogel reüssiert der Diplom-Meteorologe Benedikt Vogel publikumsnah mit seinen Wetterprognosen im ZDF-Morgenmagazin 

 

Drei junge Damen am Nachbartisch rätseln „Ist er es?“ Immer wieder schauen sie herüber, bemüht nicht zu starren. Mein Interviewpartner im roten Windblouson sitzt halb schräg zu ihnen und bemerkt sie nicht. Wir sitzen in einem Straßencafé in Berlin-Mitte. Als er kurz darauf aufsteht und quer durch das Lokal geht, beantwortet sich die Frage nach seiner Identität für alle Anwesenden. Eine heitere Herrengruppe am Stehtisch hält ihn auf, hemdsärmelige Schlipsträger im besten Alter, after work. Ein altgedienter Wetterwitz soll ihn provozieren. Ungezählte Male hat er den schon gekontert. So auch jetzt. Der Diplom-Meteorologe Benedikt Vogel alias Ben Wettervogel, taucht ein in sein Element. Nach den ersten beiden Lachsalven hagelt es Schulterklopfer. Wohlwollende Blicke begleiten ihn, als er zurück zu unserem Tisch geht. Ja, er ist genau so, wie man ihn sich vorgestellt hatte. Genau so, wie er in der Früh aus dem Fernseher strahlt, wenn er im ZDF-Morgenmagazin das Wetter voraussagt. Zugänglich, sympathisch, amüsant. So, wie einer eben sein muss, den man schon vor der ersten Tasse Kaffee in den eigenen Alltag lässt.

 

Vor der ersten Tasse Kaffee im Zuschaueralltag

 

„Ich verbiege mich nicht“, beschreibt er seine Stärke und so fallen auch seine Antworten aus. Direkt und unverblümt. Den berechnenden Charme eines Schmeichlers hat er nicht. Der Bruder eines Mathematikers und eines Physikers ist es gewohnt Klartext zu reden und sich nach messbaren Fakten zu richten. Seine Werte sind konservativ, er sieht die Welt sortiert. Sperrmüll gehört nicht in ’s Treppenhaus, zu glücklichen Kindern gehören Vater und Mutter und schöne Frauen gehören auf einen Sockel. „Eine Göttin!“, flüstert er, als sich die attraktive Kellnerin von unserem Tisch entfernt hat.  Schnell nimmt er den Faden wieder auf, schwärmt von seiner münsterländer Bodenständigkeit. Benedikt Vogel hat die Lage gerne im Griff.

 

Erfolgsmarketing mit Westenorakel

 

Im Interview lässt der ehemalige Radio-Mann keine Pause aufkommen. Seine Antworten kommen ohne Verzögerung, meist nach dem Muster: Schlagzeile, Gag, Lacher, Hintergründe. Gelernt ist gelernt. Es ist nicht leicht die Gesprächsführung zu behalten, geschickt setzt er seine Botschaften. Benedikt Vogel ist ehrgeizig. Ohne Marketing-Team oder PR-Berater hat er es geschafft die Marke Ben Wettervogel zu etablieren. Den Künstlernamen ließ er sich schon zu seiner Zeit als SWR-Radiomoderator in den neunziger Jahren schützen. Für das Fernsehen organisierte er sich kurzerhand einen Eyecatcher. Die klassische Karasek-Kombi der Journaille, Dauerjeans und Blazer, ergänzt er im Job durch stilfremde Biedermeierwesten in knalligen Farben. Und die sorgen für Gesprächstoff. „Nicht alle Menschen mögen sie“, weiß er, „aber sie kennen sie“. Es soll sogar Zuschauer geben, die sich von Vogel nicht nur das Wetter voraussagen lassen, sondern von der Farbe seiner Weste auch noch ihr jeweiliges persönliches Tagesschicksal ableiten. Hat er einen Traumjob? "Auf jeden Fall, ja". Als er nach dem Einserabitur nach dem richtigen Studienfach suchte, habe ihn ein Freund auf die Meteorologie gebracht. "Mir gefiel es, dass es eine eher außergewöhnliche Wissenschaft ist, die einen dennoch mit allen Menschen verbindet." Die Frage "Jacke -ja oder nein?" beschäftige schließlich den Minister am Morgen genauso wie das Schulkind.

 

Minister oder Schulkind - vor dem Wetter sind alle gleich

 

Als Benedikt Vogel selbst noch zur Schule ging, war sein Familienleben geprägt von Disziplin und Zusammenhalt. Er hat eine Schwester und zwei Brüder, die beide als Kinder krank waren. „Meine Eltern haben große Anstrengungen unternommen, um Therapien, Medikamente, Rollstuhl usw. zu bezahlen. Ich habe schon früh viel mithelfen müssen.“ Regelmäßiges Fußball spielen, gar in einem Verein, war da trotz großer Leidenschaft für den Sport nicht drin. Dafür habe ihm aber sein großer Bruder Kartenspielen beigebracht. Das tut er heute noch gerne. In seiner Friedrichshainer Stammkneipe gehört er einer festen Nachbarschaftsrunde an.  Geselligkeit und Freundschaft spielen eine große Rolle im Leben des weitgereisten ehemaligen Dorfkindes. Regelmäßig besucht er alte Bekannte, ganz gleich, wo die nun wohnen. Aus seiner Radio-Zeit im Badischen ist er u.a. mit Spitzen-Winzern und Sterneköchen bekannt. Aber, er wäre nicht er selbst, wenn es nicht auch bodenständiger zuginge. In der Adventszeit hilft er "einem Kumpel  auf seinem Glühweinstand" eines süddeutschen Weihnachtsmarktes aus.  

 

Patricia Wolf für wortpfeil.de am 30.04.2010   

 

 

Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz Luise und Friederike von Mecklenburg-Strelitz

"Every little breeze seems to whisper Louise, birds in the trees seem to twitter Louise..." *

 

 

 

Berlin feiert in diesem Jahr Luise von Preussen, den Tilsiter Friedensengel, Front-Partygirl und Goethe-Verwirrerin. 

 

 

 

*Dean Martin, lyrics "Louise"